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Lass dir deine Träume nicht nehmen

By on 21. Dezember 2018, in Kurzgeschichten

Christian war ein freundlicher, beliebter und hilfsbereiter Junge. Er lebte zusammen mit seiner Mutter und fünf jüngeren Geschwistern auf einem kleinen Bergbauernhof. Nachdem sein Vater bei einem Unfall ums Leben kam, musste er schon als Kind kräftig mit anpacken, um die Familie zu unterstützen und um die Existenz des Hofes zu sichern. Gerade zur Erntezeit versäumte Christian daher oft die Schule. Nach getaner Arbeit war er zum Lernen meist viel zu müde. Deshalb bekam er auch selten gute Noten. Zeit für Freizeit und Treffen mit Freunden fehlte ihm fast gänzlich.

Obwohl das Leben für Christian aus viel harter Arbeit bestand, pfiff oder summte er stets ein fröhliches Liedchen und träumte vor sich hin. Ja, er hatte grosse Träume; Träume über seine Zukunft! Daher war Christian begeistert, als seine Lehrerin eines Tages als Hausaufgabe einen Aufsatz zum Thema »Erreichbare Lebensträume« aufgab.

Träumen konnte er perfekt, er wusste ganz genau, wie er sich sein Leben und seine Zukunft vorstellte.
Er träumte von grossen Reisen. Davon, einen Sportwagen zu fahren, in einem schönen Haus zu wohnen und noch von vielem anderen mehr. Sein liebster Traum war, dass er beruflich so erfolgreich werde, dass sogar Zeitungen über ihn berichten würden. Bis weit nach Mitternacht schrieb Christian an seiner Hausaufgabe.

Als er diese mit der Note 2 zurückbekam, war er masslos enttäuscht und erkundigte sich bei seiner Lehrerin nach dem Grund seiner Note.

Diese antwortete: »Du hast zwar einen schönen Aufsatz geschrieben, doch es ist leider eine Themaverfehlung. Du hast eine Fantasieerzählung geschrieben. Schau, du bist ein sehr lieber und gutmütiger Junge. Damit wird man in der Geschäftswelt nur ausgenützt. Mit viel Glück wirst du vielleicht den Hauptschulabschluss schaffen. Du kommst aus ärmlichen Verhältnissen und kannst vermutlich nicht einmal das nötige Geld für Investitionen aufbringen. Ich gebe dir noch die Chance deine Note zu verbessern, indem du deinen Aufsatz auf realisierbare Träume umschreibst.«

Traurig zeigte Christian den Aufsatz seiner Mutter. Diese war sehr betroffen und nahm Christian liebevoll in die Arme. »Weisst du«, sagte die Mutter, »jeder Mensch ist für sein Leben selbst verantwortlich. Das sind deine Träume, Christian. Nur du kannst entscheiden, wie wichtig und real diese für dich sind.«

Am nächsten Tag gab er seinen ursprünglichen Aufsatz der Lehrerin zurück und sagte: »Ich nehme diese Note an und bleibe bei meinen Träumen!«

Jahre später investierte Christian zur richtigen Zeit in der richtigen Branche und gründete viele erfolgreiche Firmen.

In Interviews wurde er immer wieder nach dem Geheimnis seines Erfolges befragt. Christian gab stets zur Antwort: »Ich liess mir meine Träume nicht nehmen!«

 

(Quelle: „Inspirationen für’s Herz“)

 

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