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Zwischen Hingabe und Selbstbestimmung

By on 27. Juli 2019, in Inspirationen

Kennen Sie das?

Die Schwierigkeit zu wissen, wann es sinnvoll ist, sich einfach hinzugeben und wann ein gesundes und selbstbewusstes Mass an Selbstbestimmung erforderlich ist? Wann man einfach mit dem Flow gehen soll, sich vom Leben tragen lassen, und wann es wichtig ist, sein Leben selbst aktiv in die Hand zu nehmen und zu gestalten?

Diese Unsicherheit, welches von beiden in bestimmten Situationen das Richtige ist?

Gerade jetzt in der Schwangerschaft dreht sich ganz Vieles um Hingabe. Mein Körper verändert sich, die Hormone steuern mich und die Kleine wächst ganz friedlich und entspannt in mir vor sich hin. Es geschieht ganz Vieles, worauf ich keinen Einfluss habe. Und auch gar keinen Einfluss haben muss.

Solange alles gut und nach den eigenen Vorstellungen läuft, ist Hingabe meist leicht. Wenn es mir und der Kleinen gut geht, geniesse ich die Schwangerschaft total.
Genauso ist es auch mit andern angenehmen Dinge im Leben: ein gutes Essen, ein freudiger Augenblick, eine schöne Landschaft, eine Verliebtheit – da gibt man sich gerne hin.

Spannend wird es doch aber dann, wenn es eben nicht nach unseren Vorstellungen läuft, oder auch mal nicht optimal. Wie sieht es dann mit unserer Hingabe aus?

Dann meinen wir schnell, wir müssen eingreifen, müssen uns gegen den Fluss des Lebens wehren, unseren Kopf einschalten und etwas tun. Zumindest geht es mir immer mal wieder so. Solange alles gut läuft, bin ich im vollen Vertrauen, sobald aber etwas (vermeintlich) nicht mehr so gut läuft, nehme ich es doch lieber wieder selbst in die Hand. Und strample mir dann oft einen ab, ohne zu einem wirklich zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen.

In solchen Momenten höre ich oft die Stimme meines Coaches:
«Ist das schlau, was du da machst?»

Und ich schmunzle.

Denn nein, es ist natürlich nicht schlau! :-)

Und schon gar nicht effizient und zielführend.
Mein ganzer Körper weiss das, nur mein Kopf zieht noch sein Ding durch.

Aber was wär denn schlau?

Loslassen und vertrauen.

Ja, das ist in solchen Situationen oft einfacher gesagt als getan. Oft wehrt sich da noch ganz mächtig etwas in mir. Angst vor Kontrollverlust? Fehlendes Vertrauen? Mein Ego? Ein bisschen von Allem? 😉

In solchen Situationen hilft es mir manchmal, nochmals genauer zu recherchieren, um meinen Verstand beruhigen zu können. Mich eingehend mit einem Thema zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Und so habe ich es hier auch gemacht:
Was heisst denn wahre Hingabe wirklich?
Und: Was bedeutet es für mich?

Bei meinen Recherchen bin ich ziemlich bald auf Buddhas Worte dazu gestossen:

„Einzig und allein durch Hingabe kann man die absolute Wahrheit erkennen. Hingabe hat nichts mit kritikloser Anbetung oder dem Aufgeben der Eigenverantwortung zu tun, sondern vielmehr: Wahre Hingabe ist eine stetige Empfänglichkeit für die Wahrheit. Wahre Hingabe hat ihre Wurzeln in einer ehrfurchtsvollen Dankbarkeit, die zugleich klar, geerdet und intelligent ist.“

Okay. Aber… Was heisst das jetzt, so ganz praktisch fürs alltägliche Leben? Was heisst es für mich?

Ganz kurz gesagt: Hingabe heisst Vertrauen.

Vertrauen ins Leben. Zu allem, was ist. Hingabe heisst «Ja» sagen – auch wenn ich nicht weiss, wohin dieses Einverstandensein mich führt. Ich gebe die Kontrolle ab, ich bin einverstanden mit dem, was geschieht.

Wenn ich weiss (oder wenigstens glaube), dass alles was geschieht, letztlich gut ist, kann ich mich hingeben.

Und (und das ist der Punkt, den ich oft falsch verstanden habe): Hingabe heisst eben nicht, dass ich einfach alles geschehen lasse, mich selbst aufgebe oder mich gar aufopfere. Sondern dass ich mich auf eine neue Art wiederfinde.

Bei wahrer Hingabe gebe ich mich dem Leben hin, im vollsten Vertrauen und in voller Selbstbestimmung. Ich lasse mich genau dann eben nicht mehr fremdbestimmen, folge nicht (mehr) dem, was jemand Anderes oder die breite Masse als sinnvoll und somit als normal und vernünftig erachtet. Geben wir uns der Fremdbestimmung hin, folgen wir der Bestimmung eines «Fremden» (Ehepartner, Freunde, Familie, Coach, Therapeut, Ärztin, Gesellschaft, etc.) – nicht aber der Eigenen. Üben wir uns in Hingabe, dann folgen wir unserer ganz eigenen Bestimmung, dann leben wir ein wirklich selbstbestimmtes Leben.

Und genau da liegt der Knackpunkt, denn unsere Vorstellungen und Erwartungen decken sich nicht unbedingt mit unserer Bestimmung. Unsere Vorstellungen und Erwartungen sind meist Kopfsache, kommen aber nicht immer aus unserem tiefsten Innern. Unsere Bestimmung hingegen schon. Sie ist diese tiefe Weisheit, die in uns allen liegt.

Das gilt es zu differenzieren: Fühlt sich etwas nicht gut an, weil es einfach nicht meinen Vorstellungen entspricht, oder weil ich tatsächlich von meinem Weg abgekommen bin? Also fühlt es sich nicht gut an, weil es meinem Kopf widerspricht, oder weil es meiner Bestimmung widerspricht?

Wenn wir unserer Bestimmung folgen, dann wissen wir, dass es richtig und stimmig ist, auch wenn der Kopf (oder das Ego) etwas Anderes sagt.

Und deshalb geht wahre Hingabe auch nur, wenn wir mit unserem Herzen verbunden sind (oder unserem innersten Kern). Denn dann können wir bewusst differenzieren und wissen und spüren zu jeder Zeit, was stimmig für uns ist.

Will ich mich in Hingabe üben, hilft es, ganz bei mir zu sein und den jeweiligen Moment achtsam wahrzunehmen: Ein Gespür für die eigenen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen zu entwickeln, zu jeder Zeit. Und diese – stets verbunden mit dem Herzen – zu betrachten.

Dies ermöglicht den Zugang zu unserer tiefen inneren Weisheit.

Dann sind wir nicht mehr von unseren Vorstellungen und Erwartungen gesteuert, sondern können uns hingeben und unserer wahren Bestimmung folgen.

In Buddhas Worten: „Stets empfänglich für die Wahrheit… Zugleich klar, geerdet und intelligent“.

Und das wär doch gar nicht mal so schlecht… :-)

Wie sehen Sie das?

Wie ist es bei Ihnen mit der Hingabe?

 

 


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