Achtsamkeit – bringt’s das?

By on 19. April 2018, in Inspirationen

Achtsamkeit scheint voll im Trend zu sein – «Mindfulness», «bei sich selbst sein», «im Jetzt leben» – Slogans, die man überall liest. Aber was bringt’s?

Da mein letzter «persönlicherer» Beitrag viele positive, berührende und sehr schöne Rückmeldungen auslöste (vielen Dank dafür! :-)), lasse ich meine eigenen Erfahrungen auch hier gerne wieder einfliessen.

Früher konnte ich mit Achtsamkeit nicht viel anfangen. Was rückblickend jedoch auch nicht verwunderlich für mich ist, denn ich war nie «bei mir». Ich wusste auch gar nicht, wie das gehen und wie es sich anfühlen sollte.
Ich war immer im Aussen. Mein Fokus war nicht bei mir, sondern bei meinem Umfeld: Geht es den Andern gut? Was kann ich machen, um sie zufriedenzustellen? Und wie kommt das, was ich mache, bei den Andern an? Wie komme ich bei den Andern an? Wie reagieren sie auf einen neuen Job, ein chices Outfit oder eine Weltreise?
Statt mich zu fragen: Wie kommt es bei mir an? Wie fühlt sich mein Job für mich an? Bin ich glücklich damit? Erfüllt er mich?

Natürlich habe ich das damals noch nicht so bewusst reflektiert wie heute. Denn das ist ja auch alles unbewusst passiert. Ich hab einfach funktioniert, war im Autopilot. Und hab mir ehrlich gesagt auch gar nie Gedanken darüber gemacht. Ganz im Gegenteil: Mir echte Gedanken über mich selbst zu machen, hat mir Angst gemacht und ich fuhr meine Schutzwand hoch (das war so eine richtig dicke Panzerwand!), weil da halt auch viel Unangenehmes war, welches ich lieber verdrängt hielt oder weglächelte.

Ich war also auf jeden Fall ziemlich weit entfernt von einem achtsamen, bewussten Leben.

Erst jetzt bekomme ich nach und nach ein Bild davon, was es heisst, «bei sich selbst zu sein». Und wie gut sich das anfühlt!

Achtsamkeit meint die reine Aufmerksamkeit auf das, was man in diesem unmittelbaren Moment wahrnimmt. Auf eine freundliche und akzeptierende Weise (also ohne es zu bewerten) und mit allen Sinnen.

Das heisst: Wenn ein Kind schreit, interpretieren viele (unbewusst), es mache das, um uns zu ärgern oder zu manipulieren, weil es etwas erreichen möchte. Die «sachliche» Betrachtung ohne Bewertung wäre hingegen das Geschrei als ein Geräusch zur Kenntnis zu nehmen, welches Aufmerksamkeit erzeugt.
Oder: Wenn der Nachbar laute Musik hört, interpretieren wir schnell, dass er rücksichtslos ist und unsere Ruhe stören will. Die wertfreie Betrachtung wäre einfach die Wahrnehmung der Töne, ohne über die Ursache zu urteilen.
Denn es ist ja immer die Bewertung einer Situation und das daraus entstehende Gefühl, was Stress in uns auslöst, und nicht die Sache selbst. Wenn wir also mehr Distanz gewinnen können, verändert sich unsere Perspektive. Wir realisieren, dass wir ein bestimmtes Gefühl haben, sind aber nicht dieses Gefühl. Und so verlieren die Gefühle ihre Bedrohung.

Gerade in unserer hektischen, gehetzten Zeit finde ich das besonders zentral. Wirklich im Moment zu sein. Den Moment bewusst wahrnehmen und spüren, was es mit uns macht. Denn das entschleunigt den Alltag ungemein.

«Der Flüchtigkeit trotzen.
Nicht in den Gedanken gleich weiterreisen
und auch nicht mit der Vergangenheit verhaftet bleiben.
Die Kunst, anzukommen.
An einem, nur einem Ort zur selben Zeit zu sein.
Ihn mit allen Sinnen wahrnehmen.
Seine Schönheit, seine Hässlichkeit, seine Einzigartigkeit.
Sich überwältigen lassen, ohne Furcht.
Die Kunst zu sein, wo man ist.»
(Jan-Philipp Sendker)

Und plötzlich realisieren wir wieder, welch wunderbaren Geschenke der Sonnenaufgang, die blühenden Bäume, die Blumen am Strassenrand und das Lächeln unserer Mitmenschen sind.

Für mich persönlich bringt’s die Achtsamkeit total. Denn wenn ich den Autopiloten verlasse, bewusst bei mir bin und mich nicht ständig ums Aussen kümmere, ist das Leben für mich so viel entspannter, einfacher und leichter. Und ich habe so viel mehr vom Leben, wenn ich den Moment bewusst geniesse.

Also kommen Sie an. Im gegenwärtigen Moment. Bei sich selbst.
Und nur für Sie.

Stellen Sie die Füsse auf den Boden und machen Sie Ihren Rücken gerade. Ziehen Sie die Schultern hoch und lassen Sie sie wieder fallen. Legen Sie die Handflächen auf die Knie, schliessen Sie den Mund und ganz zum Schluss auch die Augen. Und atmen Sie…

 


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