Das Pferd, der Halm, das Glück und ich

By on 12. Dezember 2018, in Kurzgeschichten

“Was ist Glück für Dich?”, fragte sie.

“Weisst du, neulich sass ich am frühen Morgen auf dem Balkon einer Ferienwohnung, in der Hand die erste Tasse Kaffee. Die Sonne lugte durch die Wolken, die Vögel piepsten und trällerten und da war noch ein Geräusch, das ich nicht gleich einordnen konnte. Nach einer Weile wurde mir klar, dass es das Rupfen des Grases durch die Pferde war, die direkt neben mir auf ihrer Koppel standen. Und je mehr ich lauschte, um so mehr sponnen mich diese regelmässigen rupfen-zupfen-mahlenden Laute ein und ich fühlte mich einfach nur wohlig und warm.
Allmählich wurde mir dann klar, dass nicht die Pferde diese Glücksgefühle in mir auslösten sondern die Tatsache, dass ich wahrgenommen hatte, dass etwas so Alltägliches, wie grasende Tiere, so etwas Grosses in mir entstehen lassen kann.
Und während ich dir das erzähle, erlebe ich diesen Moment gerade wieder. Das ist doppeltes Glück.”

 

(Quelle: www.mentalpotential.de/neue-geschichten.html)

 

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