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Sterne sind zum Leuchten da

By on 17. Dezember 2018, in Kurzgeschichten

Es war einmal ein kleiner Stern. Obwohl man eigentlich sagen müsste, dass der kleine Stern gar nicht so klein war. In Wirklichkeit war er sogar überhaupt nicht klein. Jedoch, der Stern fühlte sich ganz furchtbar klein, weshalb er zu denken begann, dass er eben einfach ein ganz kleiner Stern wäre. Der kleine Stern war zudem überhaupt nicht glücklich ein Stern zu sein. Deshalb beschloss er seine Leuchtkraft verschwinden zu lassen.

Als er nun so immer blasser am Himmel schien, bemerkte das ein grosser heller Stern. Er fand es merkwürdig und beschloss zu dem kleinen Stern zu fliegen und einmal nachzusehen, was denn da los sei. Als der grosse helle Stern angeflogen kam, begann der kleine, blasse Stern zu zittern. Er hatte grosse Angst, weil der Stern so hell und so schön leuchtete, dass es ihn ganz schrecklich blendete. Er drehte sich weg, dass er das helle Leuchten nicht ansehen musste. Der grosse helle Stern fand das sehr merkwürdig.

„Du, Stern, wieso bist du denn so blass?“, wollte er von dem Kleinen wissen.

Jetzt erschrak der kleine Stern noch mehr. Wieso sprach der grosse ihn denn auch noch an, sollte er sich lieber ganz unsichtbar machen?

„Hallo, du, ich rede mit dir!“ Es half nichts, der Grosse wollte nicht verschwinden, obwohl der kleine Stern noch blasser geworden war.

„Ich will gar kein Stern sein, ich weiss gar nicht, wieso ich überhaupt einer geworden bin.“

„Was meinst du denn damit? Sterne sind da um zu leuchten!“

„Na, genau das ist es ja, aber ich fühle mich nicht so, als ob ich ein Stern wäre der leuchten sollte.“

„Aha.“

„Was, aha? Was meinst du?“

„Du bist ein Stern, der keiner sein will, weil du nicht leuchten willst.“

Der kleine blasse Stern nickte schüchtern.

„Hast du dir schon einmal das Weltall, die Sterne und Planeten genauer angesehen?“

„Ja, natürlich, es ist wunderschön.“

„Aha!“

„Was ist denn nun schon wieder aha?“, langsam ärgert sich der kleine Stern ein bisschen.

„Alles im Weltall ist so wunderschön, sagst du.“

„Ja!“

„Und wahrscheinlich findest du auch, dass alles so ist, wie es sein sollte, da draussen.“

„Ja, mir gefallen die ganz hellen Sterne besonders gut. Sie sind so schön anzuschauen!“, beginnt der blasse Stern zu schwärmen, „wenn ich doch auch nur so schön und wunderbar wäre, dann würde ich mich auch trauen so schön zu scheinen. Aber ich bin nicht wunderbar und schön und deswegen will ich lieber verlöschen.“ Der Kleine wurde ganz traurig und schon wieder ein kleines bisschen blasser und kleiner.

„Denkst du, dass du ein Stern geworden bist, weil du gar keiner sein hättest sollen? Denkst du, dass ein Stern gemacht wurde, damit er möglichst schnell wieder verlöscht und verschwindet?“

„Hmmm, da hab ich jetzt keine Antwort!“

„Aber ich, sieh mich doch einmal an!“ Und der helle Stern strahlte so schön und so hell er nur konnte, dass es den kleinen Stern schon wieder blendet, aber diesmal musste er trotzdem hinsehen, weil es einfach so wunderbar anzusehen war und es dem kleinen blassen Stern ganz warm um sein Herz wurde.
„Du bist so schön und so stark!“

„Natürlich, ich bin ja auch ein Stern. Und übrigens, du bist auch einer. Es wird Zeit, dass du anfängst zu begreifen, dass du ein Stern bist der hell leuchten soll.“

„Du meinst, ich sollte anfangen anzunehmen, dass ich ein Stern bin? Ich denke ja eher, dass es ein Irrtum war und ich irgendwie doch keiner bin.“

„So ein Unsinn!“, der grosse Stern schüttelte den Kopf.

„Na gut, dann bin ich jetzt also ein Stern“, sagte der kleine zaghaft und es schien, als ob er ein bisschen heller geworden wäre.

„Und zwar ein heller Stern, der allen die ihn sehen Freude machen will und der Licht in die Dunkelheit bringen kann.“

Jetzt begann sich etwas in dem kleinen Stern zu freuen. „Ach ja, das kann ich, ich kann machen, dass es heller wird, weil ich leuchten kann!“ Und schon schien der kleine Stern viel heller als noch wenige Augenblicke zuvor.

„Hast du jetzt endlich begriffen wozu du kleiner Stern eigentlich da bist?“

„Ja, ich glaube jetzt weiss ich, dass ich auch zu etwas gut bin. Ich kann dahinfliegen, wo es dunkel ist und ein bisschen Sternenlicht schenken. Damit die Menschen und alle die mich sehen ein wenig Freude und Trost finden können!“, der Kleine hüpfte und dreht sich im Kreis vor lauter Begeisterung.

Und siehe da, er war jetzt auch gar nicht mehr so klein wie er vorher gewesen war, denn nun endlich begann der kleine Stern seiner Bestimmung zu folgen.

„Sterne sind zum Leuchten da!“, verabschiedete sich der grosse helle Stern und flog davon.

Der nicht mehr so kleine und jetzt viel hellere Stern rief ihm nach: „Danke, vielen Dank lieber Stern!“

 

(Quelle: „Der kleine Lichtfunke“)

 

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